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Last chance? Verkostung feinster britischer Käse und internationaler Ciders in Mondsee

Last chance? Verkostung feinster britischer Käse und internationaler Ciders in Mondsee

Britische Käse sind „auf dem Kontinent“, wie Europa in England genannt wird, weitgehend unbekannt. Dabei bieten sie eine erstaunliche Vielfalt hinsichtlich ihrer Sorten und Geschmacksrichtungen. Und auch jede Menge Tradition, wie bei einer Verkostung Ende September deutlich wurde.

Bereits 2.500 Jahre vor Christus hat man in Britannien gekäst, wie ein historisches Sieb aus Terrakotta und Gerätschaften von den schottischen Orkney-Inseln beweisen. Später brachten dann Kelten, Römer, Jüten, Angeln und Sachsen sowie natürlich auch die Franzosen wesentliche Impulse zur Käseherstellung auf die britischen Inseln. Und weil Heinrich der 8. nicht nur seine Ehefrauen, sondern auch die Kirche wechselte, wanderte das Käsewissen von den britischen Klöstern in die Hände milchaffiner Bäuerinnen und Bauern. Seitdem werden auf den Farmen mit viel Kreativität und Begeisterung fantastische Käse produziert.

Mit einer Verkostung ausgewählter britischer Farmhouse-Cheeses und dazu passender Ciders entließen Johannes Einzenberger, Christian Kaufmann und Rüdiger Niemz jetzt die britischen Käseproduzenten und -freunde in den ungeliebten Brexit. Symbolisch zumindest, denn die vom ältesten Käsehändler Englands „Paxton and Whitfield“ (gegründet 1797!) bezogenen Preziosen wird es wohl weiterhin geben, kommt es aber zu keiner Einigung hinsichtlich eines Handelsabkommens, werden sie hier wohl schwerer zu bekommen sein – und wahrscheinlich auch teurer.

Spitzen-Ciders und Spitzen-Käse

So ließen es sich die Besucherinnen und Besucher der Verkostung in Mondsee noch einmal richtig schmecken: Zunächst präsentierte Johannes Einzenberger ausführlich 15 ausgewählte Ciders aus Österreich, den Niederlanden, Belgien, Irland und Frankreich. Daraus wurden dann die passenden Begleiter für die 11 britischen und irischen Käse gewählt – wie sich herausstellte mit sehr viel Expertise.

Christian Kaufmann und Rüdiger Niemz hatten für die anschließende Verkostung von Weich- bis hin zu Blauschimmelkäsen in fast jeder Geschmacksrichtung ein paar Beispiele vorbereitet, darunter Varianten aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch; Klassiker wie der walisische Caerphilly, der Red Leicester oder zwei unterschiedliche Cheddars waren dabei, ebenso „Hidden Champions“ wie eine sehr cremig-aromatische Wigmore-Rolle vom Schaf oder die moderne Rohmilchvariante des Stiltons, der Stichelton. Rüdiger Niemz gab dazu viele Informationen über die jeweiligen Käse, ihre Herstellung, ihre Hersteller und erläuterte auch historische und gesellschaftliche Hintergründe aus Großbritannien: Alles in allem, waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, eine spannende Entdeckungsreise mit vielen Informationen, außergewöhnlichen Käsen und einem tiefen Bedauern über den Abschied der Briten aus der Europäischen Union.

Fotos: Johannes Einzenberger, Rüdiger Niemz